Die Politik hat endlich die Bedeutung der Energieeffizienz für eine erfolgreiche und finanziell tragbare Energiewende erkannt, wie bspw. die Kampagne „Deutschland macht‘s effizient“ unter Beweis stellt.

Jedoch wird das Thema Materialeffizienz weiterhin nur halbherzig angegangen. Die Förderung „go-effizient“, welche die Thematik forcieren sollte, wurde sogar wieder eingestellt, was symptomatisch für den Tunnelblick auf den Teilbereich Energie ist. So zeigt sich, dass die Politik weit entfernt von einer ganzheitlichen Sichtweise der Ressourceneffizienz als Aspekt der Nachhaltigkeit ist.

Welche Hebelwirkung erreicht werden könnte, wenn nur ein Teil der gewaltigen Finanzmittel, welche zur Umsetzung der Energiewende eingesetzt werden, der Materialeffizienz zugute kämen, veranschaulicht folgendes Beispiel:

In Deutschland wurden im Jahr 2015 26,5 Mio. Tonnen Walzstahl erzeugt. Je nach Zweck der Weiterverarbeitung, z. B. Profilstahl oder Grobbleche, liegt der energetische Aufwand bei durchschnittlich ca. 5.550 kWh/t. Wird nun in den nachgelagerten Prozessen die Materialeffizienz nur um 1 % erhöht, hätte dies eine Energieeinsparung von ca. 2.000 GWh/a zur Folge. Zum Vergleich: die drei größten deutschen Solarparks erzeugen auf einer Fläche von ca. 1.450 ha etwa 400 GWh/a Strom.

Der immanente Zusammenhang zwischen Energie- und Materialeffizienz ist klar zu erkennen. Diese Kausalität existiert nicht nur auf der gesamtwirtschaftlichen Ebene, sondern in jedem Produktionsprozess. Zusätzlich werden weitere positive Umweltaspekte verwirklicht, wie eine verminderte Flächennutzung zum Rohstoffabbau oder geringere Schadstoffbelastungen in der gesamten Erzeugungskette.

Aufgrund durchschnittlicher Kosten im produzierenden Gewerbe von 46 % für Material und nur 1,8 % für Energie führt eine Fokussierung auf Materialeffizienz zu einer deutlichen Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie, welche in der bisherigen Energiewende nur durch Ausnahmeregelungen mit entsprechendem bürokratischem Aufwand sichergestellt werden konnte.

Der mutige Schritt zur Transformation eines für eine funktionierende Gesellschaft so wichtigen Feldes wie der Energieversorgung war absolut richtig und selbstverständlich ist der Umstieg auf regenerative Energien ein elementarer Faktor. Das aktuelle Momentum sowie die hohe gesellschaftliche Akzeptanz von über 80 % der Energiewende sollte jedoch nicht einfach nur zur Umsetzung einer Energiewende 2.0 führen, sondern für eine ganzheitliche Ressourcenwende eingesetzt werden. Letztlich können nur so die globalen Klima- und Nachhaltigkeitsziele erreicht werden.

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